Umgetopft

Die Bedeutung des Umfelds oder - Umgetopft


Für die Feier einer Freundin wurde ich gebeten, den Tischschmuck zu gestalten. Romantisch sollte es sein, weitere Vorgaben gab es keine. Nach kurzer Recherche entschied ich mich für Lavendelpflanzen in Konservendosen. Eine „Testpflanze“ sollte zeigen, ob das funktioniert. Das duftende Gewächs hatte nach dem Umzug in sein neues zu Hause alles, was es benötigte. Platz, Kies, um Staunässe zu vermeiden, Wasser, Dünger und jeden Tag Bewunderung, denn das Arrangement sah genau so aus, wie ich mir das vorgestellt hatte.


Doch schon bald hingen die Triebe schlapp aus dem Topf, die Farbe wechselte in unbestimmbares Grau und es drohte einzugehen. Schnell stand fest, das Pflänzchen braucht Rettung. So zog es in einen ziegelroten, dickwandigen Terrakottatopf um, in dem es immer noch wohnt. Jedes Jahr erfreue ich mich an wunderschönen, duftenden, lila Blüten, die mich gedanklich in die Provence entführen. Im Sommer genießen wir selbstgemachte Lavendellimonade, denn aus einem kleinen Kümmernis wurde ein gesunder Strauch, dreimal so groß, wie vor einigen Jahren. Ganz ohne große Pflege. Die Schönheit fühlt sich einfach wohl, denn Umgebung sowie Standort stimmen.


Wir können noch so viel gießen, düngen und pflegen, manchmal ist es einfach das Umfeld, das nicht passt. Im Coaching erlebe ich sehr oft, dass Menschen mit ihrer beruflichen Situation hadern. Sie fühlen sich an ihrem Arbeitsplatz nicht mehr wohl und können nicht genau bestimmen, woran das liegt. So einfach wie mit der Lavendelpflanze ist eine Veränderung dann freilich nicht, doch die Metapher hilft, die Situation zu verstehen. Aus meiner Coaching-Erfahrung kann ich berichten, dass es selten nur ein einziger Umstand ist, der uns erkennen lässt, dass wir welken. Viele Menschen sind Jahre damit beschäftigt, immer wieder Lösungen zu finden, wie Staunässe zu vermeiden ist, dann geht es wieder eine Weile, es wird gedüngt z.B. in Form eines Urlaubs.


Und so vergeht die Zeit, sie kann nichts Anderes (frei nach Erich Kästner).

Was ist also zu tun?


Analyse! Stärken herausarbeiten! Optionen beleuchten! Realitätscheck!


Ein Perspektivenwechsel mit der Aussicht auf andere Möglichkeiten z.B., erfrischt den Blick und entfacht wieder Begeisterung, wo vorher Erschöpfung lähmte. Umgetopft!