Die drei Siebe

Wahrheit – Güte – Notwendigkeit


Die drei Siebe des Sokrates.


Einst wandelte Sokrates durch die Straßen von Athen. Plötzlich kam ein Mann aufgeregt auf ihn zu. „Sokrates, ich muss dir etwas über deinen Freund erzählen, der …“ „Warte einmal“, unterbrach ihn Sokrates. „Bevor du weitererzählst – hast du die Geschichte, die du mir erzählen möchtest, durch die drei Siebe gesiebt?“ „Drei Siebe? Welche drei Siebe?“ fragte der Mann überrascht.


„Lass es uns ausprobieren“, schlug Sokrates vor. „Das erste Sieb ist das Sieb der Wahrheit. Bist du dir sicher, dass das was du mir erzählen möchtest, wahr ist?“ „Nein, ich habe gehört, wie es jemand erzählt hat.“


„Aha. Aber dann ist es doch sicher durch das zweite Sieb gegangen, das Sieb des Guten? Ist es etwas Gutes, dass du über meinen Freund erzählen möchtest?“ Zögernd antwortete der Mann: „Nein, das nicht. Im Gegenteil…“


„Hm“, sagte Sokrates, „jetzt bleibt uns nur noch das dritte Sieb. Ist es notwendig, dass du mir erzählst, was dich so aufregt?“ „Nein, nicht wirklich notwendig“, antwortete der Mann.


„Nun“, sagte Sokrates lächelnd, „wenn die Geschichte, die du mir erzählen willst nicht wahr ist, nicht gut ist und nicht notwendig ist, dann vergiss sie besser und belaste mich nicht damit!“


Klatsch und Tratsch ist eine Form von Unterhaltung. Nicht anwesende Personen stehen im Mittelpunkt eines Gesprächs, dessen Ziel es ist, absichtlich Informationen über den oder die Nichtsahnende auszutauschen. Gekocht in der Gerüchteküche, haftet das Triviale an.


Was bringt das? Macht z.B. das Scheitern anderer, eigenes erträglicher? Spührt man Erleichterung darüber, dass es anderen Menschen so ergeht, wie einem selbst? Zugegeben, das hat schon ein tröstendes, erleichterndes Momentum doch - by the way - wer ist für‘s eigene Wohlergehen verantwortlich?


„Sagen, was man denkt und vorher gedacht haben.“ Ein Zitat von Harry Rowohlt - kurz und knackig.


Folgendes sagt Wikipedia über die bösartige Version des Klatsches: Sobald der Klatsch ein Ausmaß annimmt, dass Tatsachen behauptet oder verbreitet werden, die dazu dienen, eine Person verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen, dies aber nicht erweislich wahr ist, ist der Tatbestand der üblen Nachrede erreicht.


Werden Seelen verletzt hört - für mich – die gesellschaftliche Unterhaltung auf.


Dieser Artikel möchte nicht als Belehrung verstanden werden, sondern als Inspiration für Selbstverantwortung. Wahrheit – Güte – Notwendigkeit … Siebst du deine Worte?