Beckenrandschwimmer

Aktualisiert: Juni 24

„Wie, du traust dich nicht? Bist Du auch so ein Beckenrandschwimmer?“ Auf diese Frage konnte ich nicht sofort eine Antwort geben. Erstens hatte ich sie nicht erwartet (ich erzählte einem Freund von einer Idee), zweitens musste ich über dieses Wort erst mal nachdenken. Becken-rand-schwimmer. Zunächst setzt das voraus, dass es ein Becken gibt, das üblicherweise mit Wasser gefüllt ist. Ich, die Schwimmerin (die sich nicht traut loszulassen) befindet sich in diesem Gewässer (meine Idee). Weiterhin gibt es eine Begrenzung, den Beckenrand (Sicherheit). „Ja“ sage ich dann, denn alles andere wäre grob fahrlässig“. Der Fragensteller schaut erstaunt. „Was ist verwerflich daran? Zunächst fühle ich mich im Wasser nicht sehr sicher (ich schaue lieber d’rauf), es wäre also völliger Unsinn, würde ich mich vom Beckenrand weiter wegbewegen. Außerdem: Wie groß ist eigentlich das Becken und aus welcher Motivation heraus sollte ich loslassen? So lange man sich im Unklaren darüber befindet, ist es meiner Meinung nach lebensverlängernd, wenn man die Möglichkeit sich festzuhalten nicht in Erwägung zieht. Was wäre die Alternative? Mutig ertrinken?“ Mein gegenüber macht den Mund auf, spricht allerdings nicht. Ich stattdessen rede mich in Fahrt. „Soll ich Deiner Meinung nach einfach losschwimmen, in der Hoffnung, dass mich jemand rettet, wenn ich merke, dass ich untergehe?“ „Hhm.“ Kommt von der anderen Seite. „Nass, frierend, erschöpft und auch noch hoffnungslos? Sind das dann meine Loslassaussichten? Ja, ich bin eine Beckenrand-schwimmerin, die sich sogar in der Nähe der Leiter aufhält und diese ohne Zögern nutzt, wenn es die Situation erfordert. Ich brauche Sicherheit!“ „Okay“, sagt der Fragensteller, als hätte er es gar nicht so genau wissen wollen. „Schwimmflügel“ sage ich, „dann würde ich mich trauen“. „Knallorange“. „Oder ein Schwimmkurs … vielleicht beginne ich im Nichtschwimmerbecken …“ „Schon recht, ich habe es verstanden“, sagt er „komm, wir trinken einen Kaffee. Erzähle mir deine Idee mal genauer.“

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